Jürgen Faè

CEO, Founder

Jürgen Faè

CEO, Founder Commitly

Was sind die größten Finanzfehler die kleine Unternehmen machen? (Quora)13 min read

Nachdem ich mich die letzten 20 Jahre mit dem Thema in allen Formen und Unternehmensgrößen beschäftigt habe, versuche ich hier mal meine wichtigsten Punkte zu formulieren. (Sorry, wenn das ein bisschen länger wird)

Keine Betreuung durch einen Steuerberater (aus Kostengründen)

Bei Gründung gleich einen Steuerberater auswählen und mit diesem die geplante Unternehmensentwicklung besprechen. Das muss nicht teuer sein, gerade zu Beginn kann die Betreuung auch quartalsweise erfolgen.

Keine bzw. ungenaue Dokumentation von wichtigen Dokumenten

beginnt bei einer guten Ablage aller Gründungsdokumente, Finanzamtsunterlagen, etc. Diese Dokumente sind wichtiger Bestandteil eines Unternehmens und werden in Zukunft immer wieder benötigt (z.B. bei Förderanträgen, Finanzierungsrunden und einem späteren Exit). Am Besten auf Box oder Dropbox einen Admin Ordner einrichten und dort die Docs mit System ablegen.

Chaos bei Belegen

So lächerlich das auch klingt, Eingangstempel besorgen und jeden Beleg stempeln, kontrollieren und auf den Zahlweg schicken. Dann die Zahlung entsprechend auf dem Stemple vermerken. Nichts kann frustrierender sein, als ein Stapel aus Rechnungen ohne genauen Status. Glücklicherweise gibt es inzwischen viele Unternehmen, die hier unterstützen (z.B. Fastbill, Billomat, Candis, Chillbill, etc.). – Spart auch den Stempel 🙂

Keine klare Verantwortung für das Finanzmanagement

Jemand sollten die Verantwortung für die Finanzen haben. Das beginnt mit der regelmäßigen Kontrolle der Bankkonten, Prüfung von Rechnungen, Klärungen mit dem Steuerberater, etc.

Finanzen als lästiges Thema abtun

Betrachtet Finanzen/Zahlen als Eure Freunde. Klingt esoterisch, ist es aber nicht. Am Ende des Tages gilt: die Wahrheit steht am Bankkonto. Entscheidungen, von Strategie bis Taktik, schlagen sich in Geld nieder. Je früher man beginnt, die Zusammenhänge zu verstehen und zu planen, desto zielgerichteter und einfacher werden unternehmerische Entscheidungen.

Finanzplan als reines Instrument für Externe verstehen

Tomasz Tunguz hat einmal gesagt, dass der Sinn des Finanzplans nicht die Genauigkeit ist, sondern vielmehr die Richtung des Unternehmens aufzeigen soll. In diesem Sinne ist es nie zu früh für einen Finanzplan. Und wenn es nur 5 Zahlen sind. Schreibt sie nieder und dann entwickelt einen Plan, wie diese Ziele erreicht werden können. Und beginnt mit einer Cashflow Planung.

Fälligkeiten von Zahlungen (vor allem Steuern und Abgaben) übersehen

Rechnung sind am Fälligkeitstag zu zahlen. Punkt. Wenn nicht, setzt Euch mit dem Lieferanten in Verbindung und erklärt Eure Punkte und vereinbart einen neue Fälligkeit. Warum? Die Bonität des Unternehmens und damit die externe Wahrnehmung stehen auf dem Spiel. Fehler in diesem Bereich sind nur sehr langwierig wieder zu korrigieren. Noch brutaler kommt es, wenn die Behörden im Spiel sind. Zahlungsverzug in diesem Bereich führt sehr schnell zum Insolvenzantrag. Ohne Witz.

Mitarbeiter finanziell als Mitstreiter betrachten

So wichtig der Team Gedanke ist, bei Finanzen gilt in diesem Zusammenhang eine andere Betrachtungsweise. Es gibt Angestellt und externe Berater. Gerne wird hier folgender Ansatz gelebt: Wir arbeiten alle am gleichen, tollen Projekt und irgendwie machen wir das schon mit der Bezahlung. Fokus liegt dabei am verfügbaren „Gehalt“, d.h. Nettoverdienst. Schnell ist man dabei beim Thema Abgabenhinterziehung. Es gibt nichts brutaleres als eine Abgabenprüfung. Gerade bei Mitarbeitern ist daher eine enge Abstimmung mit dem Steuerberater zu suchen. Eines meiner Lieblingsthemen ist die Beschäftigung von Praktikanten und „freien“ Mitarbeitern in Startups. Ich bin der Auffassung, dass das ein extrem schmal Grad ist. Es gibt genaue Regeln, ab wann ein Mitarbeiter als Angestellter des Unternehmens gilt und diese werden auch sehr strikt angewendet und dann umgesetzt.

Das bringt mich schnell zum letzten Punkt.

Haftungen werden unterschätzt

Als Geschäftsführer unterliegt man genauen Haftungsregelungen. Auch hier wird nicht gespasst. Gerade in kleinen Unternehmen und Startups wird das gerne klein geredet. Robin Dechant hat hier schon ein paar griffige Beispiele genannt. Was vor allem bei Startups erschwerend hinzukommt, sind die teilweise vorhandenen „seltsamen“ Organisationsformen. Da gibt es Chairman, Angels, Investoren mit super viel Erfahrung, CEO, COO, etc. Die hier besprochenen Haftung trifft nur die, die auch im Firmenbuch als Geschäftsführer eingetragen sind. Also, hütet Euch vor den super Tipps der Chairman, Angels, etc. Es ist am Ende des Tages die Entscheidung und auch die Haftung der eingetragenen Geschäftsführer.

Das klingt jetzt in Summe ein wenig einschüchternd. Ist es aber nicht. Meines Erachtens geht es darum, das Thema Finanzen als solches anzuerkennen, ordentlich auf- und umzusetzen und sich externer Spezialisten in möglichst geringem Umfang zu bedienen. In Summe nimmt das dann nicht viel Zeit in Anspruch.

Hier gehts zur ursprünglichen Frage auf Quora

Credits: Photo by NeONBRAND on Unsplash

 

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