Jürgen Faè

CEO, Founder

Jürgen Faè

CEO, Founder Commitly

Was tun bei unerwarteten finanziellen Engpässen? (Quora)12 min read

Ich war CFO in einem Immobilienunternehmen und gerade auf Urlaub, als ich eine Nachricht von einem unserer Portfoliounternehmen erhielt:
DRINGEND – türkisches Finanzamt fordert EUR 25m Steuernachzahlung (EUR 12,5m regulär und EUR 12,5m Strafzahlung). Forderung unbegründet. Dringende Gesellschafterversammlung einberufen!

Das war komplett unerwartet und auch in keinster Weise geplant. Ich wähle dieses Beispiel, weil die Höhe der Forderung damals in keinster Weise von unserer Liquidität gedeckt war. Für kleine Unternehmen können Beträge in der Höhe von EUR 25.000 bereits zu vergleichbaren Situationen führen.

Ohne jetzt weiter auf das Beispiel einzugehen, hier meine Gedanken zu der Frage:

(A) In so einer Situation ist der Cashflow Plan (Liquiditätsplan) Dein bester Freund.

Wir bevorzugen hierbei die direkte Cashflow Ermittlung. Diese unterteilt sich in 3 grobe Gruppen: (1) Operativer Cashflow, (2) Cashflow aus Investitionen und (3) Cashflow aus Finanzierungen. Die drei Gruppen sind zugleich die Handlungsfelder. Cool, oder?

(1) Operativer Cashflow

Jede Cash In Position auf Risiken bzw. Optimierungen beim Zahlungseingang überprüfen. Eine übliche Optimierung in diesem Zusammenhang ist zB das Thema Factoring. Christian Kedzierski hat in seiner Antwort recht umfassend Möglichkeiten aufgezählt. Bei den Cash Out Positionen prüfen, ob Zahlungen evtl. später geleistet werden können.

(2) Cashflow aus Investitionen

Das ist jetzt der Zeitpunkt, jegliche Investition – sofern möglich – zu stoppen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben UND zu prüfen, ob Vermögen (Assets) wie zB Grundstücke etc. veräussert werden können. (in der Regel der letzte Ausweg)

(3) Cashflow aus Finanzierungen

Der Hoffnungsschimmer am Horizont. Externes Geld – von Banken oder den Gesellschaftern / Investoren! Der Cashflow Plan entfaltet jetzt sein volles Potential. Ihr könnt einem externen Geldgeber nicht nur einen genauen Überblick über den Stand des Unternehmens vermitteln, sondern habt auch gleichzeitig ein super professionelles Handlungspaket, das ihr präsentieren könnt (siehe Punkte 1 und 2).

(B) Kommunikation mit den Stakeholdern

Das ist jetzt wichtig! Liquiditätsengpässe können immer auftreten und sind in der Regel kein Zeichen von Versagen. Sie werden zum Versagen, wenn nicht sauber und sachlich damit umgegangen wird. Der zweite Weg nach der Versachlichung des Problems (siehe A) ist daher der Weg zu allen wichtigen Stakeholdern des Unternehmens. Das sind überlicherweise die Eigentümer/Investoren und die Hausbank. Der Cashflow Plan und die Dokumentation der möglichen Handlungen dienen jetzt als Gesprächsbasis. Super professionell!

(C) Rechtliche Konsequenzen prüfen (lassen)

Ein unerwarteter finanzieller Engpass kann aber auch zu einer Insolvenz führen. Der Geschäftsführer muss immer prüfen, ob der sogenannter Insolvenztatbestand Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn das Unternehmen nicht in der Lage ist, seine fälligen Verbindlichkeiten zu begleichen und sich die erforderlichen Mittel voraussichtlich alsbald verschaffen kann. Der deutsche Bundesgerichtshof hat dabei den Zeitraum mit maximal drei (!) Wochen festgelegt. Zahlungsunfähigkeit ist ein scharfes Schwert und während der Untergang eines Unternehmens nicht erfreulich ist, kann ein zu entspannter Umgang mit finanziellen Engpässen zur existentiellen Gefahr werden.

Zurück zu unserem Portfoliounternehmen. Die Steuerprüfung zum damaligen Zeitpunkt war eine Aktion der türkischen Regierung gegen ausländische – vor allem deutsche – Unternehmen. Wir überarbeiteten unsere Cashflow Planung innerhalb von 24h, setzten eine a.o. Aufsichtsratssitzung an, involvierten externe Rechtsanwälte und verfassten eine ad-hoc Meldung. Wir konnten die Steuernachzahlung um 80% reduzieren.

Hier gehts zur ursprünglichen Frage auf Quora

Credits: Photo by rawpixel.com on Unsplash

 

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