Jürgen Faè

CEO, Founder Commitly

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Theorie: Unternehmensführung und Liquiditätsmanagement

Unternehmensführung und Liquidität

Für Eilige: Ausreichend Liquidität ist essentiell für den Fortbestand des Unternehmens

 

  • Die Hauptaufgaben der Unternehmensleitung liegt im Ziele Setzen, Planen, Entscheiden, Realisieren und Kontrollieren.
  • Echte Führungsentscheidungen dürfen im Interesse des Unternehmens nicht delegiert werden.
  • Das ausreichend Liquidität zur Verfügung steht, ist eine ureigene Aufgabe des Unternehmers die auch nicht delegiert werden soll.
  • Aufgabe des Eigentümers ist es, eine Person mit der Sicherung der Liquidität zu beauftragen – oder diese Kompetenz selbst zu übernehmen.
  • Die Kompetenz zur Überwachung der Liquidität kann delegiert werden, die Verantwortung für den Fortbestand verbleibt aber beim Eigentümer.

 

Unternehmensführung im engeren Sinn

 

Gutenberg, und zwar Erich nicht Johannes, der Erfinder des Buchdrucks, also Erich Gutenberg gilt als einer der Väter der modernen Betriebswirtschaftslehre. Um theoretisch zu verstehen, wo Entscheidungen generell im Unternehmen angesiedelt sind, schauen wir uns aus diesem Grund den betrieblichen Leistungsprozess und damit die Produktionsfaktoren frei nach Gutenberg an:

Produktionsfaktoren werden unterteilt in

  • Dispositive Faktoren
  • Elementarfaktoren

 

Die Aufgabe des dispositiven Faktors ist die Leitung, Planung, Organisation und Überwachung des Betriebsprozesses. Das Wesen dieses Faktors besteht hierbei im Vorbereiten und Treffen von Entscheidungen. Da haben wir sie also schon, die Entscheidungen. Aber Entscheidungen werden doch immer und überall getroffen?

Dieser Faktor kann nun in weiterer Folge in den originären Faktor und den derivativen Faktor gegliedert werden. Der originäre Bestandteil repräsentiert dabei die eigentliche Unternehmensführung, d.h. die Leitung des Betriebes.

Die in diesem Bereich getroffenen Entscheidungen werden als Führungsentscheidungen bezeichnet und sind von weitreichenden Auswirkungen für das Unternehmen. Merkmale von solchen „echten Führungsentscheidungen” sind nach Gutenberg:

 

Merken wir uns diesen Satz:
Echte Führungsentscheidungen sind nicht delegierbar bzw. dürfen im Interesse des Unternehmens nicht delegiert werden.

 

Zu einem späteren Zeitpunkt ergänzte Heinz Wissenbach dieser Merkmale:

 

  • Führungsentscheidungen erfordern „schöpferische Eigeninitiative“ von jedem Unternehmer.
  • Führungsentscheidungen sind charakterisiert durch eine besondere Verantwortlichkeit der Unternehmer für diese.
  • Führungsentscheidungen sind Entscheidungen, die unter unvollkommener Information getroffen werden.

 

Ausgehend von dieser Charakterisierung kann folgender Katalog von Führungsentscheidungen erstellt werden (Achtung: copy & paste für den allgemeinen Teil der Stellenbeschreibung eines Geschäftsführer):

  • Festlegung der Unternehmenspolitik auf weite Sicht
  • Koordinierung der großen betrieblichen Teilbereiche
  • Beseitigung von Störungen im laufenden Betriebsprozess
  • Sicherstellung des Fortbestands durch ausreichend Liquidität
  • Geschäftliche Maßnahmen von außergewöhnlicher betrieblicher Bedeutsamkeit sowie
  • Besetzung der Führungsstellen im Unternehmen.

 

Somit kann festgehalten werden, daß die Hauptaufgaben der Unternehmensleitung im Ziele Setzen, Planen, Entscheiden, Realisieren und Kontrollieren liegen.

 

Das ausreichend Liquidität zur Verfügung steht ist somit eine ureigene Aufgabe des Unternehmers die auch nicht delegiert werden soll.

 

Aber muss ein Unternehmer sich auch wirklich selbst darum kümmern? In kleinen Unternehmen stellt sich diese Frage oft mangels Mitarbeiter nicht. Ansonsten beantwortet die Theorie diese Frage mit der erweiterten Unternehmensleitung.

 

Erweiterte Unternehmensleitung

 

Zur Erinnerung: der dispositive Faktor kann weiters in den originären Faktor, also der eigentlichen Unternehmensführung, und den derivativen Faktor gegliedert werden.

Der derivative Bestandteil ist stark abhängig von der Unternehmensleitung. Seine Entscheidungskompetenz in Bezug auf Planung, Organisation und Kontrolle wird durch die Weisung der Betriebsführung begrenzt.

Von besonderer Bedeutung ist jener Teil des betrieblichen Prozesses, der sich mit dem Fällen von grundlegenden Fragen beschäftigt. Zu diesem Zweck wird nun näher auf den Begriff „Unternehmensführung“ eingegangen.

Die Unternehmensführung im weitesten Sinne umfaßt die Bereiche der

  • institutionellen und
  • funktionellen Führung.

 

Die institutionelle Führung zielt hierbei auf die Gestaltung und Verteilung von Kompetenzen ab und gibt dabei die Gesamtheit der Aufgaben- und Funktionsträger an. Die in der Aufbauorganisation vorgenommene Unterscheidung in Top-, Middle- und Lower-Management regelt somit die Handlungsspielräume der einzelnen Entscheidungsträger.

 

Ok, und was bedeutet das nun im Zusammenhang mit der Liquidität?
Gehen wir von einem kleinen, Eigentümer-geführten Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern aus. Aufgabe des Eigentümers ist es, eine Person mit der Sicherung der Liquidität zu beauftragen – oder diese Kompetenz selbst zu übernehmen. Bei Unternehmen mit unter 10 Mitarbeitern ist das eine oft gesehene Praxis.

 

Die Hauptaufgabe der funktionellen Führung liegt im Gestalten und Steuern. Bei weiterer Beschäftigung mit diesen Begriffen kommt es zu einer Einteilung der funktionelle Ebene in den sachbezogenen und den personenbezogenen Aspekt.

  • Bei dem personenbezogenen Aspekt bezieht sich das Gestalten und Steuern auf die Personalführung. Hierbei wird versucht, Mitarbeiter zu motivieren, die von der Unternehmensleitung vorgegebenen Ziele anzustreben.
    Gestalten und Steuern im sachbezogenen Sinn wird verstanden als das Setzen von Zielen, das Planen, das Organisieren und das Kontrollieren.
  • Die Aspekte der sachbezogenen, funktionellen Führung werden auch unter dem Begriff Unternehmensführung im engeren Sinne zusammen gefaßt.

 

Wird also die Kompetenz zur Überwachung der Liquidität an einen Mitarbeiter delegiert, dann obligen diesem Mitarbeiter die Organisation und das Controlling der Liquidität. Die Verantwortung für den Fortbestand verbleibt aber beim Eigentümer. Das ist vor allem essentiell, sollte es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen.

 

Ein oftmals im gleichen Zusammenhang verwendeter Begriff ist „Management“. Unternehmensführung und Management werden dabei oftmals gleichgesetzt, wobei jedoch dem Begriff Management zusätzlich die sowohl positiven als auch negativen Merkmale Experimentierfreudigkeit, Dynamik, Flexibilität im Denken, Rücksichtslosigkeit (vor allem im Personalbereich – „hire and fire“), Offenheit, usw. anhaften.

Eine andere Unterscheidung zwischen Führung und Management hat mir in diesem Zusammenhang aber immer besser gefallen. Führung bedeutet, “Mitarbeiter zu motivieren, Ziele zu erreichen”. Management wird dabei verstanden als “Übernahme von Gesamtverantwortung”. Vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen vereinen sich diese beiden Begriffe oftmals in einer oder weniger Personen.

Credits: Photo by rob walsh on Unsplash

 

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