• Business
  • Liquidität

Cash is King: Cash Flows, Kontostände und Liquiditätsreserven

Cash is King: Cash Flows, Kontostände und Liquiditätsreserven

Für die meisten Kleinunternehmen sind Cashreserven ein wichtiges Instrument der Liquiditätsreserve, um den Liquiditätsbedarf zu decken. Immer verfügbare Einlagen am Geschäftskonto bieten ein jederzeit verfügbares Mittel, um Mitarbeiter und Lieferanten in normalen Zeiten zu bezahlen, und sind in schwierigen Zeiten ein wichtiger Faktor, auf den man zurückgreifen kann. Dies gilt insbesondere für kleine Unternehmen mit ihrem begrenzten Zugang zu Krediten und anderen Liquiditätsquellen. Mit anderen Worten, Cashreserven sind ein Schlüsselmaß für die Vitalität, Widerstandsfähigkeit und Sicherheit eines kleinen Unternehmens.

Update September 2026: Fünf Jahre nach dieser Studie hat das JPMorgan Chase Institute nachgemessen, mit einem noch knapperen Ergebnis: Die Hälfte der kleinen Unternehmen hatte weniger als 15 Cash-Puffer-Tage. Die neuen Zahlen und was sie für Unternehmen im deutschsprachigen Raum bedeuten, findest du am Ende des Artikels.

Unter Verwendung eines Datenbestands von über 470 Millionen Transaktionen von rund 600.000 kleinen Unternehmen von Februar bis Oktober 2015, zeigt eine Analyse des JPMorgan Chase Institutes, dass die Hälfte aller kleinen Unternehmen in den USA eine Liquiditätsreserve besitzt, die 27 Tage ihrer typischen Zahlungsausgänge beträgt.

Erkenntnis #1 – Cashflows von US-Kleinunternehmen weit geringer als angenommen

Das mittlere Kleinunternehmen in den USA weist durchschnittliche tägliche Auszahlungen von USD 374 und einen durchschnittlichen Zufluss von USD 381 auf. Umgerechnet per Mai 2019 bedeutet dies durchschnittliche monatliche Eingänge von rund EUR 12.800 sowie Ausgänge von EUR 12.570.

Zahlungseingänge und Ausgänge von kleinen Unternehmen

Auszahlungen beziehen sich dabei auf Belastungen von Geschäftskonten, wie z.B. der Kauf von Material, Gehaltszahlungen, Entnahmen von Eigentümern, Kreditrückzahlungen oder Steuerzahlungen. Innerhalb einer Branche und zwischen den Branchen bestehen dabei große Schwankungen.

Zahlungsausgänge nach Branchen

Eingänge beziehen sich auf Gutschriften auf Geschäftskonten, wie z.B. Erlöse, Einzahlungen von Eigentümern, Kreditfinanzierung oder Steuergutschriften.

Erkenntnis #2 – Kleinunternehmen verfügen über tägl. Cashbestand von ca. EUR 13.550

Liquiditätsreserve von Unternehmen

Es gibt naturgemäß große Schwankungen innerhalb einer und zwischen den Branchen.

Liquiditätsreserven der Branchen

Mit durchschnittlichen Zuflüssen und Abflüssen von ungefähr EUR 430 pro Tag (ungefähr EUR 155.000 pro Jahr) und durchschnittlichen Liquditätsreserven von nur EUR 13.550, kann das typische Kleinunternehmen nach der Abdeckung anderer Ausgaben wenige Vollzeit Jobs bereitstellen. Ohne ein gutes und kontinuierliches Cash Flow Management können selbst kleine Veränderungen der Mittelzu- oder -abflüsse – insbesondere wenn sie unerwartet sind – große Auswirkungen auf die finanzielle Gesundheit dieser Unternehmen haben.

Erkenntnis #3 – Das mittlere US-Kleinunternehmen hat eine Liquiditätsreserve von 27 Tagen

Cash-Puffer-Tage von Unternehmern

Die Schwankungen innerhalb einer Branche und zwischen den Branchen sind naturgemäß groß.

Cash-Puffer-Tage nach Branchen

Liquiditätsreserven, gemessen in Tagen, oder auch Cash-Puffer-Tage bieten ein nützliches Benchmark für einzelne kleine Unternehmen. Obwohl klar ist, dass der Sektor der kleinen Unternehmen heterogen ist und jedes Unternehmen seine eigenen Herausforderungen hat, können Cashflows, Salden und die Liquiditätsreserve gemessen in Tagen die Liquidität und die finanzielle Widerstandsfähigkeit von Kleinunternehmen veranschaulichen.

Ein großer Teil der kleinen Unternehmen in den USA verfügt über eine begrenzte Liquidität. Dies macht sie anfällig für wirtschaftliche Krisen. Mit einem Durchschnitt von nur 27 Cash-Puffer-Tagen – und viel weniger in Branchen wie Restaurants oder bei Reparatur- und Wartungsarbeiten – weist das typische Kleinunternehmen eine geringe Fehlerquote bei wirtschaftlichem Gegenwind und Krisen auf.

Angesichts der Tatsache, dass das Cash Flow Management bzw. die Liquiditätsplanung und das Kostenmanagement die beiden wichtigsten Anliegen von Inhabern kleiner Unternehmen sind, und angesichts der Ungewissheiten von kurzfristigen Kreditoptionen, geht JPMC davon aus, dass die meisten Kleinunternehmer das auf Konten gehaltene Bargeld als finanziellen Puffer halten.

Darüber hinaus sind viele kleine Unternehmen, zusätzlich zu regionalen oder marktweiten wirtschaftlichen Krisen, mit unerwarteten Ausgaben, verspäteten oder unbezahlten Zahlungen von Kunden oder anderen spezifischen Herausforderungen konfrontiert. Betrachtet man die Tatsache, dass dem durchschnittlichen Kleinunternehmen durchschnittlich nur EUR 430 pro Tag zufließen, müssen diese Herausforderungen nicht groß sein, um Schaden anzurichten.

Und während einige kleine Unternehmen das Glück haben, Zugang zu Krediten zu erhalten, ist es vielleicht zu wenig zu spät. Kleine Unternehmen in den USA müssen durchschnittlich 60 bis 90 Tage warten, um Kredite zu erhalten. Infolgedessen sind die meisten Kleinunternehmen auf ihre Cash-Puffer-Tage angewiesen sein, um während Krisensituationen zu überleben. Geld für 27 Tage toleriert aber für das typische Kleinunternehmen eine sehr begrenzten Fehlerspanne.

Update 2020: nur noch 15 Cash-Puffer-Tage

Dieselben Forscher haben 2020 nachgemessen, diesmal mit 1,4 Millionen kleinen Unternehmen in 25 US-Großstadtregionen. Das Ergebnis: Die Hälfte der kleinen Unternehmen arbeitete mit weniger als 15 Cash-Puffer-Tagen. Nur 40 Prozent hatten mehr als drei Wochen Reserve (JPMorgan Chase Institute, April 2020).

Die beiden Auswertungen beruhen auf unterschiedlichen Stichproben und lassen sich nicht eins zu eins vergleichen. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Der Puffer ist dünner geworden. Bleiben die Einnahmen gut zwei Wochen aus, wird es für die Hälfte der kleinen Unternehmen eng.

Und im deutschsprachigen Raum?

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt es keine vergleichbare Auswertung derselben Kennzahl. Die verfügbaren Zahlen zeigen aber in dieselbe Richtung:

  • Insolvenzen auf dem höchsten Stand seit über zehn Jahren. 2025 haben in Deutschland rund 23.900 Unternehmen Insolvenz angemeldet, 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 19.500 davon waren Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, also mehr als vier von fünf Fällen (Creditreform).
  • Längere Zahlungsziele. 54 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr längere Zahlungsziele akzeptiert, um ihre Kunden nicht in Schwierigkeiten zu bringen (Intrum, European Payment Report 2025). Was für den Kunden Luft schafft, fehlt dem Lieferanten in der Kasse.
  • Im Schnitt solide, aber nicht überall. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand lag 2024 bei 30,7 Prozent. Gut ein Viertel der Mittelständler (28,4 Prozent) hatte aber weniger als 10 Prozent Eigenkapital (KfW-Mittelstandspanel 2025).

Was daraus folgt

Wenn ein Unternehmen nur wenige Wochen Puffer hat, müssen die Herausforderungen nicht groß sein, um Schaden anzurichten. Ein Kunde zahlt einen Monat später, eine Maschine fällt aus, die Steuernachzahlung kommt früher als gedacht. Kredite helfen in solchen Momenten oft zu spät. Deshalb ist der Puffer auf dem Konto für viele kleine Unternehmen die wichtigste Versicherung, und der Plan, der zeigt, wann er gebraucht wird, das wichtigste Werkzeug.

Rechne deine eigenen Cash-Puffer-Tage einmal aus: Kontostand geteilt durch die durchschnittlichen täglichen Ausgaben. Das Ergebnis sagt dir, wie lange dein Unternehmen ohne neue Einnahmen durchhält, und ist oft aufschlussreicher als jede Bilanzkennzahl.

Wie du daraus einen Plan machst, zeigt unser kostenloser Crash-Kurs Liquiditätsplanung. Alle Zahlen im Zusammenhang und den Weg vom Plan bis zur Zahlung findest du im eBook „Vom Plan zur Zahlung“.

Credits: Photo by NeONBRAND on Unsplash